Postleitzahl von Hoyerswerda
Postleizahl von Hoyerswerda

Die Postleitzahl von Hoyerswerda

02977

Fünf Ziffern, die heute ganz selbstverständlich zu Hoyerswerda gehören, fast so wie der Lausitzer Platz oder das Lausitz Center in Hoyerswerda. Seit der Postreform 1993 steht diese Zahl für die Stadt, steht auf Briefen, taucht in Onlineformularen auf und wird eingetippt, ohne dass man groß darüber nachdenkt. Dabei erzählt sie mehr, als man ihr zutraut. Viel mehr.

Früher war das alles übersichtlicher. Oder grober, je nachdem, wen man fragt. Zu DDR-Zeiten hieß Hoyerswerda postalisch schlicht 7700. Vier Stellen, fertig. Kein Feintuning, keine Differenzierung bis ins letzte Wohngebiet. Die Deutsche Post der DDR brauchte das auch nicht. Der Laden lief nach eigenen Regeln, und die Postleitzahl war vor allem eines: Verwaltung. Nüchtern, funktional, unaufgeregt. Trotzdem war die 7700 überall. Auf Briefumschlägen, auf Paketkarten, auf Formularen, die nach Druckerschwärze rochen und irgendwo zwischen Amt und Küchentisch landeten.

Und dann war da dieses Wachstum. Rasend schnell, manchmal gefühlt über Nacht. Hoyerswerda wurde größer, lauter, jünger. Die Neustadt schoss aus dem Boden, Block um Block, und mit jedem neuen Eingang wuchs auch das Pensum der Post. Briefe von der Brigade, Karten aus dem Ferienlager, Einschreiben vom Betrieb. Alles lief über dieselbe Zahl. 7700. Punkt. Dass diese Nummer irgendwann Geschichte sein würde, hat damals kaum jemand gedacht. Warum auch.

Nach 1989 geriet vieles ins Rutschen. Dinge, die jahrzehntelang feststanden, waren plötzlich verhandelbar. Auch das Postsystem. Zwei Länder, zwei Sortierungen, identische Zahlen – das ging nicht lange gut. Also kam 1993 der Schnitt. Fünf Stellen statt vier. Ordnung im System, zumindest auf dem Papier. Hoyerswerda bekam die 02977 und damit eine neue Zuordnung, eindeutig, bundesweit, ohne Verwechslungsgefahr. Klingt trocken. War es auch. Und doch markierte diese Umstellung mehr als nur neue Stempel und Schilder.

Denn irgendwo zwischen 7700 und 02977 liegt der große Umbruch dieser Stadt. Die alte Zahl hängt gedanklich an Kombinaten, Vollbeschäftigung und übervollen Schulklassen. Die neue an Leerstand, Rückbau, Neuanfang. Vielleicht ist das etwas pathetisch. Vielleicht auch nicht. Zahlen können keine Geschichte erzählen, klar. Aber sie stehen daneben, halten sie fest, wie eine Randnotiz im Stadtarchiv.

Heute redet kaum noch jemand darüber. Muss man auch nicht. Aber wer genau hinschaut, merkt: Diese fünf Ziffern sind kein Zufall. Sie sind einfach da. Und sie gehören zu Hoyerswerda – genauso wie die 7700 es einmal tat.